Dortmund verdrängt die Schwulenszene

Vergebens demonstrierten im März 2011 Dortmunder Prostituierte für den Erhalt des Straßenstrichs.
Die angebliche Zuwanderung von Kriminellen und Zuhältern hat laut SPD nun ein Ende.
Die Betroffenen sehen in der Schließung nur eine Verdrängung in die Illegalität und somit eine große Gefahr von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen.
Denn die Prostitution bleibt natürlich nicht aus, die Stadt nahm den Sexarbeiter_Innen lediglich einen einigermaßen geschützten Raum für ihr Gewerbe.

Die Stadtkassen sind leer und eine weitere Konsequenz ist das Fehlen von rund 80.000 Euro Sexsteuer-Einnahmen.
Die Stadt nimmt sich das Geld jedoch nicht da wo es vorhanden ist, sondern da wo sie den geringsten Widerstand erwartet: Bei der Dortmunder Schwulenszene.

Ziel der im Juli 2010 beschlossenen „Sexsteuer“ sei die Verhinderung der unkontrollierten Ausbreitung der Prostitution.
Da ist es doch sehr verwunderlich, dass diese Steuer von schwulen Szeneeinrichtungen abverlangt wird, in denen ganz bewusst keine Prostitution stattfindet.
Lediglich das Vorhandensein von Rückzugsräumen für spontane Zweisamkeit die bei Bedarf genutzt werden können veranlasst das Steueramt dazu die Hand aufzuhalten.

Beispielsweise das Jumbo Center, eine Schwulen-Sauna, bietet neben Saunen, Schwimmbad und Restaurant solche Räume.
Wichtig ist festzuhalten, dass mit den sexuellen Kontakten in diesen Rückzugsräumen im Gegensatz zu Bordellen kein Geld eingenommen wird.
Diese geschützten Räume sind schlichtweg eine Notwendigkeit.
Denn neben homophoben Witzen und Bemerkungen, Gaffen, Ausgrenzungen, intoleranten Eltern haben Schwule, Lesben und Transgender sogar unter körperlichen Angriffen von beispielsweise Neonazis zu leiden.
Noch bis zum 11. Juni 1994 musste man in Deutschland bei homosexuellen Handlungen mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Jetzt wird Homosexualität durch die Verdrängung der Schwulenszene wieder zum gesellschaftlichen Tabu gemacht.
Denn die pauschale Sexsteuer richtet sich nach der Größe der Veranstaltungsstätte unabhängig davon, in welchen Bereichen es tatsächlich zu sexuellen Handlungen kommt.
So sind viele Einrichtungen dazu gezwungen Angestellte zu entlassen, die Eintritte zu erhöhen und ihre Öffnungszeiten drastisch zu reduzieren.
Die ersten Einrichtungen wurden bereits zum Umziehen in andere Städte oder zum Schließen gezwungen.
Weitere Schwulenclubs werden folgen.

Viele betroffene Szenewirte verfassten einen offenen Brief an die Stadt, doch die SPD lehnte eine Satzungsänderung der Steuer ab. Die CDU reagierte gar nicht, die Grünen boten lediglich an, einen Antrag im Stadtrat einzureichen.

Wir sind für sexuelle Selbstbestimmung und eine Gesellschaft fernab von Homophobie, Sexismus und derlei Scheußlichkeiten.
Darum dokumentieren wir im folgenden den offenen Brief an die Stadt Dortmund:

„Offener Brief an die Stadt Dortmund

Amt für Angelegenheiten des Oberbürgermeisters und des Rates
Friedensplatz 1
44135 Dortmund

Rettet die Dortmunder Schwulenszene!!!

Wir fordern die Stadt Dortmund auf, die letztes Jahr eingeführte „Sexsteuer“ (Vergnügungssteuer für „Einräumung der Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen“) zu überdenken. Da diese Steuer nicht gewinnprozentual sondern aus Quadratmeterwerten der Läden errechnet wird, stehen die Dortmunder Szenelokalitäten vor der Pleite.

Kein Lokal, keine Sauna kann diese Steuer (4 Euro pro Betriebstag, pro angefangene 10 qm) auf längere Sicht aufbringen, was zwangsläufig zum Tod der Dortmunder Schwulenszene führt. Erste Läden haben schon Konsequenzen gezogen und öffnen nicht mehr täglich.

Das darf nicht passieren! Dortmund ist auf dem Weg, die schwulenfeindlichste Stadt Deutschlands zu werden. So kann man ganz heimlich, still und leise eine Szene vernichten. Aber die Schwulen sind auch Dortmunder Bürger! Lasst uns unsere Begegnungsmöglichkeiten und zerstört nicht die Existenzen der Wirte und ihrer Angestellten!

Wie erklären uns solidarisch mit den Forderungen der Dortmunder Schwulen“

Quelle: Antifajugend Dortmund





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